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Bauberufe: Die umfangreichsten Änderungen gibt es in den insgesamt 19 Bauberufen, die sich in Hochbau-, Tiefbau- und Ausbauberufe unterteilen. Drei von ihnen sind zweijährige Berufe, bei den anderen 16 beträgt die Ausbildungsdauer drei Jahre. Die Ausbildung ist so strukturiert, dass im ersten Ausbildungsjahr die berufliche Grundbildung im Vordergrund steht. Darauf folgt im zweiten Ausbildungsjahr die schwerpunktmäßige Ausbildung in den jeweiligen Bereichen Hochbau, Tiefbau sowie Ausbau. Das dritte Ausbildungsjahr ist dann berufsspezifisch ausgestaltet. Die Stufenausbildung wird durch das Anrechnungsmodell ersetzt: Auszubildende der zweijährigen Berufe Ausbaufacharbeiter/-in, Hochbaufacharbeiter/-in und Tiefbaufacharbeiter/-in können nach zwei Jahren und erfolgreich bestandener Abschlussprüfung den jeweiligen dreijährigen Anschlussberuf im dritten Ausbildungsjahr fortführen. Bei den dreijährigen Berufen wurde die sogenannte gestreckte Abschlussprüfung (GAP) eingeführt: Das bedeutet, dass es keine Zwischenprüfung mehr gibt, sondern nach zwei Jahren der erste Teil der Abschlussprüfung stattfindet, der mit 40 Prozent in die Abschlussnote eingeht.

Inhaltlich wurden die Ausbildungsordnungen an die modernen Anforderungen der Branche anpasst. Einen größeren Stellenwert bekommen nun die Bereiche Digitalisierung (u. a. digitale Prozesse auf der Baustelle, Einsatz von Drohnen, Building Information Modeling BIM) und Nachhaltigkeit (u. a. Energieeffizienz, Recycling, CO₂-reduzierte Baustoffe).

Bautechnische/-r Konstrukteur/-in: Dieser Ausbildungsberuf löst den bisherigen Beruf Bauzeichner/-in ab. Die Ausbildungsordnung wurde jetzt inhaltlich stärker differenziert und es können diese drei Fachrichtungen gewählt werden: Architektur, Ingenieurbau sowie Tief-, Verkehrswege- und Landschaftsbau. Die Spezialisierung erfolgt ab dem zweiten Ausbildungsjahr.

Die Ausbildungsordnung der Bauzeichner war zuletzt im Jahr 2002 neu geordnet worden und entspricht nicht mehr den modernden Anforderungen in der Baubranche. Denn in den letzten Jahren hat sich insbesondere durch die Einführung von Building Information Modeling (BIM) die Art und Weise, wie Bauprojekte geplant und umgesetzt werden, erheblich verändert: Bisher wurden Bauprojekte in verschiedenen, aufeinanderfolgenden Phasen geplant, während heute alle Beteiligten an einem integrierten 3D-Modell zusammenarbeiten. Alle relevanten Aspekte eines Bauwerks (Architektur, Heizung, Lüftung, Elektrik usw.) werden frühzeitig in einem Modell erfasst – auch um potenzielle Probleme vor der Bauausführung zu erkennen und zu vermeiden. Die neue Ausbildungsordnung setzt deshalb Schwerpunkte auf IT-gestützte Arbeitsmethoden und digitale Zusammenarbeit („kollaborative Arbeitsweisen mit Projektbeteiligten“), außerdem werden die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft deutlich stärker gewichtet. Aufgewertet wurden auch Baustellenbegehungen, bei denen ebenfalls digitale Arbeitsmittel eingesetzt werden.

Die Ausbildungsdauer beträgt wie bei den bisherigen Bauzeichnern drei Jahre. Änderungen gibt es jedoch bei der Prüfungsstruktur der technischen Prüfungsinhalte: Es gibt mindestens die zwei Prüfungsvarianten betrieblicher Auftrag und Arbeitsprobe, von denen eine ausgewählt werden muss. Inhaltlich werden die rein zeichnerischen Aufgaben abgelöst von kompletten Projektaufgaben, die die Prüflinge zu erarbeiten haben, wobei ein stärkerer Fokus auf rechner- und IT-gestützten Lösungen (BIM, CAD, Cloud-Workflows) liegt.

Kaufmann/-frau für Mobilität und Verkehrsservice: Dieser Ausbildungsberuf wurde neu geordnet und löst den bisherigen Beruf Kaufmann/-frau für Verkehrsservice ab. Dessen Ausbildungsordnung wurde letztmals im Jahr 1997 neu geordnet und entspricht deshalb nicht mehr den aktuellen Inhalten und den praktischen Anforderungen des Berufs. Im Zuge der Neuordnung wird auch der Beruf Kaufmann/-frau im Eisenbahn- und Straßenverkehr abgeschafft.

Anlass für die Modernisierung waren u. a. die geänderten Arbeitsweisen angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Branche und die steigende Vernetzung der Verkehrsträger (sogenannte Multimodalität). Die neue Ausbildungsordnung setzt deshalb Schwerpunkte auf Kenntnisse in diesen Themenfeldern: Mobilitätsketten, Mobilitätsverhalten von Kundengruppen und Kundenberatung. Zudem erhalten Fremdsprachenkenntnisse und Strategien zur Konfliktbewältigung stärkeres Gewicht. Die bisherigen Schwerpunkte „Verkauf und Service“ und „Sicherheit und Service“ entfallen. Wie bei den Bauberufen wird auch in diesem Ausbildungsberuf die gestreckte Abschlussprüfung eingeführt: Es gibt also keine Zwischenprüfung mehr, stattdessen wird ein Teil der Abschlussprüfung zeitlich vorgezogen.

Verfahrensmechaniker/-in Glastechnik: Auch in diesem Ausbildungsberuf, der in Mittelfranken zahlenmäßig kaum eine Rolle spielt, war die bisherige Ausbildungsordnung veraltet. Sie bestand seit dem Jahr 2000 und bildete deshalb eine Reihe von neuen Technologien in der Branche nicht mehr ab. Der neugeordnete Beruf setzt deshalb Schwerpunkte auf moderne Produktionsprozesse und Prozesssteuerung.

Eine Randnotiz bei der Neuordnung von Ausbildungsberufen in diesem Jahr: Der Ausbildungsberuf Tankwart/-in wurde abgeschafft. Er spielte aber bereits seit vielen Jahren keine Rolle mehr bei der Ausbildung in Mittelfranken.

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Informationen zu Ausbildungsberufen

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Ausbildungsberufen sind auf den Webseiten des Bundesinstituts für Berufsbildung BIBB (www.bibb.de/dienst/berufesuche/) und der IHK Nürnberg für Mittelfranken (www.ihk-nuernberg.de/ausbildungsberufe) abrufbar.

Für Fragen zu den einzelnen Ausbildungsberufen stehen die Bildungsberaterinnen und -berater der IHK Nürnberg für Mittelfranken zur Verfügung. Ihre Kontaktdaten und Zuständigkeitsbereiche sind auf dieser Seite zu finden: www.ihk-nuernberg.de/bildungsberater

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