Vom Rucksackmetzger zum Industrieunternehmen
Der Heilsbronner Lebensmittelbetrieb Hans Kupfer & Sohn exportiert stark ins Ausland – und gewinnt dort einen großen Teil der Belegschaft.
Die Hans Kupfer & Sohn GmbH & Co. KG hat sich in ihren 120 Jahren von einem kleinen Metzgereibetrieb zu einem Industrieunternehmen im Lebensmittelbereich entwickelt. 1 750 Beschäftigte arbeiten heute für die Firma, die in 30 Länder exportiert und 2025 rund 400 Mio. Euro umsetzte. Die Geschäfte in der mittlerweile vierten Generation zu führen, sei eine große Verantwortung für die Familie, so Otto Kupfer jun., der der dritten Generation angehört: „Meine Frau Hanna hat mir immer zur Seite gestanden und jede Generation hat sich rechtzeitig dem Markt anpassen müssen.“ Eine der aktuellen Herausforderungen: Das Geschäft mit Wurstwaren werde branchenweit seit einigen Jahren kleiner, bei einer gleichbleibenden Anzahl von Produktionsbetrieben.
Die Geschichte der Heilsbronner Wurstfabrik begann mit Hans Kupfer: Elf Jahre nach seiner Gesellenprüfung gründete er 1906 in einem Wohnhaus mit Metzgerei und Schlachthaus das Familienunternehmen. Nach der Meisterprüfung 1920 dehnte er sein Vertriebsgebiet nach Nürnberg und Fürth aus. Weil er seine Produkte mit dem Fahrrad lieferte, wurde er „Rucksackmetzger“ genannt. 1952 übernahm Otto Kupfer sen. die Leitung der Großmetzgerei, die von da an Hans Kupfer & Sohn hieß. Ein Meilenstein war der Umzug in das Industriegebiet von Heilsbronn. Von da an konzentrierte man sich auf Zerlegung und Produktion von Fleisch- und Wurstwaren. Ende der 1970er Jahre trat mit Otto Kupfer jun. die dritte Generation ins Unternehmen ein. Ab 1985 belieferte es den Lebensmitteleinzelhandel und exportierte nach Spanien und Frankreich. 1990 eröffnete die Firma ein Werk im thüringischen Ilmenau, 1993 in Nürnberg. Eine Katastrophe geschah kurz vor der 100-Jahr-Feier: Ein Brand zerstörte zwei Drittel des Heilsbronner Stammwerks. In der Folge wurde ein Werk in Naumburg angemietet, um weiter produzieren zu können. In nur zwei Jahren baute Kupfer das zerstörte Werk neu auf. 2010 startete mit Johannes Kupfer die vierte Generation in der Geschäftsleitung, 2018 folgte sein Bruder Maximilian. Bruder Jakob eröffnete 2017 mit seiner Frau Julia den Metzgermarkt in Heilsbronn. Der Export in die USA und Asien wurde ausgebaut, ebenso das Geschäft mit Bio- und Fleischersatzprodukten. 2020 entstand ein Werk für vegane Produkte in Nürnberg. Pflanzliche Erzeugnisse machen heute zehn Prozent vom Umsatz aus.
Kupfer ist sehr aktiv bei Nachwuchsförderung und Fachkräftesicherung: Nachdem es 2021 nur fünf Auszubildende in drei Werken gab, sind es heute 100, davon 90 Prozent aus dem Ausland, um die sich sieben Beschäftigte in der Personalabteilung kümmern. „Ganz wichtig ist es, die ausländischen Mitarbeitenden hier zu integrieren, in Sportvereine oder Ähnliches unterzubringen“, so Geschäftsführer Maximilian Kupfer. Bei Reisen in die Herkunftsländer der ausländischen Mitarbeiter habe er viel über ihre Mentalität und Traditionen gelernt, das helfe bei der Integration in Heilsbronn. Um motivierte Auszubildende und Fachkräfte zu gewinnen, gebe es Projekte mit regionalen Schulen, aber auch in verschiedenen Ländern der Welt. So stieg die Zahl der Auszubildenden und Fachkräfte deutlich.
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