Von Weitem sichtbar
Die Sauernheimer GmbH im Nürnberger Süden hilft seit 100 Jahren Unternehmen dabei, auf sich aufmerksam zu machen.
Sie ist überall im Alltag zu sehen: Auf Dächern, an Fassaden, in Foyers, auf Grünflächen, fest montiert, freistehend oder auch drehend: Wer erkennbar sein will, setzt auf Lichtwerbung. Besonders zur Geltung kommt das eigene Emblem, wenn es dunkel ist – so lässt es sich bereits aus weiter Ferne erkennen. Für diese Reichweite sorgt ein Unternehmen aus dem Nürnberger Süden, das seit 100 Jahren in dieser Branche tätig ist: Die Sauernheimer GmbH mit Sitz in Kornburg hat schon viele markante Erkennungszeichen installiert – mit Schwerpunkt in der Metropolregion, aber auch darüber hinaus. Natürlich auch das eigene, und zwar an der Kreuzung, von der es zum Betriebsgelände geht.
An der Fassade des Firmengebäudes selbst ist das Logo aber eher unscheinbar angebracht – dabei könnte ein Hersteller von Lichtwerbung dort doch eigentlich das große Besteck auffahren und ein „Best of“ seines Leistungsportfolios zur Schau stellen. Aber: „Die Kunden kommen nicht zu uns hierher“, sagt Geschäftsführer Rudolf Sauernheimer. „Wir nehmen unsere Muster mit zu den Kunden vor Ort.“ Außerdem benötige so ein Lichtpark an der Außenfassade eine entsprechende Baugenehmigung und der Ärger mit den Nachbarn aus den Wohngebäuden gegenüber dürfte dann auch vorprogrammiert sein, gibt er zu bedenken.
Rudolf Sauernheimer leitet den Betrieb in der dritten Generation. Den Grundstein dafür legte sein Großvater Georg, als er 1926 in der Nürnberger Innenstadt ein Elektrofachgeschäft gründete. Dort waren von Anfang an auch Leuchtbuchstaben mit im Programm, damals noch mit Glühlampen ausgeleuchtet. In den ersten Jahrzehnten folgten Umzüge und Standortwechsel – auch kriegsbedingt – sowie ein zusätzliches Elektrogeschäft in Zerzabelshof. 1955 starb Gründer Georg Sauernheimer und sein Sohn Helmut übernahm die Firma mit 21 Jahren. In den Wirtschaftswunder-Jahren lief das Geschäft sehr gut, die Nachfrage nach Lichtwerbung stieg. Es folgten weitere Umzüge, bis das Unternehmen 1976 in Kornburg – an seinem heutigen Standort – sesshaft wurde. Bis in die 70er Jahre ließ der Bedarf an Elektroinstallationen nach, da die nachkriegsbedingte Nachfrage inzwischen gesättigt war. Daher konzentrierte sich die Firma von da an auf die Lichtwerbung. Ende der 90er Jahre schloss auch das letzte Elektrogeschäft.
Prominente Lichtwerbeplätze
Seit 1998 führt nun Rudolf Sauernheimer die Geschäfte. Ab Ende der 90er platzierte sein Betrieb einige markante Leucht-Signets in der Metropolregion und darüber hinaus. So wurde das Unternehmen beispielsweise beauftragt, in Hamburg eine Werbeanlage mit dem Relief einer überdimensionalen Cola-Flasche anzufertigen und zu montieren. An der Neuen Messe München baute Sauernheimer animierte Leuchtlogos auf. Und in der damaligen Arena Nürnberger Versicherung, heute PSD Bank Arena, installierte die Firma den großen Videowürfel. „Wir konnten dafür keine Stahlkonstruktion bauen, weil das die Deckenkonstruktion nicht getragen hätte“, erinnert sich der Geschäftsführer. Stattdessen habe man auf Aluminium als Werkstoff ausweichen müssen.
Sauernheimer geht in einen Nebenraum, in dem Ausstellungsstücke früherer Aufträge zur Ansicht aushängen. Dort befindet sich also genau die Art von „Best of“, die man von draußen auf der Straße nicht zu sehen bekommt: An der Wand hängen unter anderem das „W“ des hiesigen Modehauses Wöhrl und das „M“ des schwedischen Wettbewerbers H & M, aber auch der alte Schriftzug der Nürnberger Versicherung. Der Firmenchef nimmt einen Pfeil in leuchtendem Orange von der Wand und erklärt, dass dieser zum Wegeleitkonzept der NürnbergMesse gehört. Auch international hat die Firma schon Gebäude mit Leuchtobjekten bestückt, beispielsweise 2005 das Croke Park Stadium in Dublin mit einem LED-Video-Display oder 2007 die New Wembley Arena in London mit zwei Mega-LED-Displays. Auf dem Weg von den anfänglichen Glühlampen über Neon-Leuchtröhren aus eigener Fertigung bis zu den heutigen LED-Anzeigen hat das Nürnberger Unternehmen in seinen 100 Jahren nun schon einige technische Neuerungen mitgemacht. Die Leuchtdioden sieht Rudolf Sauernheimer allerdings als letzten bedeutenden Fortschritt, die nächste große Innovation lasse noch auf sich warten.
In den beinahe 30 Jahren, die er den Betrieb nun schon führt, hat Sauernheimer das Unternehmersein schätzen gelernt. Ihm macht dabei vor allem der Abwechslungsreichtum Spaß: „Unser Geschäft ist jeden Tag anders, es gibt selten zwei gleiche Aufträge und man hat ständig neue Herausforderungen“, erklärt der Geschäftsführer. „Und es ist natürlich toll, dass man sein eigener Chef ist und keiner sagt, was man zu tun und zu lassen hat.“ Was aber zu seinen Herausforderungen gehört, ist wie bei zahllosen anderen Unternehmen die Bürokratie: Denn ohne die Baugenehmigung, die für die Lichtwerbung in der Regel erforderlich ist, würde es von der Anfrage bis zur Montage etwa vier bis sechs Wochen dauern, einen Auftrag durchzuführen, erklärt Sauernheimer. Aber durch den Ämtergang kämen noch acht bis zwölf Wochen dazu. Hier würde er sich eine deutliche Beschleunigung wünschen.
Fachkräfte schwer zu finden
Eine weitere Herausforderung für sein Unternehmen, bei dem derzeit zehn Beschäftigte arbeiten, sei der Fachkräftemangel – einer der kritischsten Punkte, wie der Firmenchef sagt. Vor allem für die Montage sei es schwierig, Personal zu finden. Eine Resonanz auf Stellenangebote gebe es quasi nicht. Nur eine Social-Media-Kampagne habe einmal eine etwas größere Zahl an Bewerbungen eingebracht. Allerdings seien davon nur zwei in Frage gekommen und einer dieser beiden neu eingestellten Beschäftigten habe das Unternehmen bald wieder verlassen. Auszubildende hat Sauernheimer nicht, weil es im Betrieb keine Fertigung mehr gibt und außerdem keine Elektroinstallationen mehr gebaut werden. „Azubis würden bei uns nicht das Richtige lernen“, sagt der Geschäftsführer. Auch Schlosser und Glasbläser habe es früher einmal gegeben, das habe sich aber wirtschaftlich nicht mehr getragen. In den früheren Fertigungshallen befindet sich jetzt eine Lebküchnerei.
Nichtsdestotrotz sieht Sauernheimer die eigene Marktsituation momentan als gut und blickt optimistisch in die Zukunft. 2025 setzte das Unternehmen 2,2 Mio. Euro um. Zwar werde das Geschäft immer schwierig sein und auch der Einzelhandel, einer der wichtigsten Zielgruppen, gerate immer mehr in Bedrängnis. Er selbst komme aber ohne Werbung aus, erklärt Sauernheimer, sogar bei Google habe er sie eingestellt. „Wir wollen bei dem bleiben, was wir können“, sagt er. Was die langfristige Zukunft seines Unternehmens mit Blick auf eine Nachfolge betrifft, sind die Optionen noch offen: Für seine 21-jährige Tochter komme diese nicht in Frage, der 18-jährige Sohn überlege hingegen noch. „Ich möchte ihn keinesfalls dazu drängen, dass muss er selbst wissen und für sich entscheiden“, so der Unternehmer. Bis die Frage drängend wird, hat er noch ein paar Jahre Zeit. Er gehöre aber nicht zu der Sorte von Chefs, die bis ins hohe Alter, quasi „bis zum Umfallen“ arbeiten: „Es macht mir zwar sehr viel Spaß, aber so viel dann auch wieder nicht“, sagt er mit einem Schmunzeln.
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