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Jahrhundertelange Tradition: Inhaber Martin Horneber (l.) und sein Nachfolger Dr. Karl Kasper mit einem historischen Mühlstein.

Idyllisch gelegen“ ist zwar eine oft gewählte Formulierung für Orte in der Natur, aber bei wenigen dürfte sie so passend sein wie bei der Kernmühle: Nördlich von Roßtal gelegen, zwischen Ammerndorf und Weinzierlein, ist das Grundstück mit seinem landwirtschaftlichen Gebäudeensemble rundherum von Feldern umgeben, wird eingerahmt von der Bibert, die sich direkt am Grundstück vorbeischlängelt, und einem Waldstück, das nur einen Steinwurf südlich davon liegt. Ein schöner Arbeitsplatz also für Martin Horneber und Dr. Karl Kasper, die auf dem Anwesen ein Seminarhaus und eine Event-Scheune betreiben. Etwa 40 Veranstaltungen sind es im Jahr, etwa 80 Prozent davon Hochzeiten. Künftig sollen es aber mehr Firmen-Veranstaltungen werden, erklärt Kasper. Er wird den Betrieb ab 2028 übernehmen, wodurch dieser in Familienhand bleibt. Denn seine Ehefrau ist Miriam Kasper, geborene Horneber, die Nichte von Martin Horneber.

Damit wird Kasper auch die lange Geschichte der Kernmühle fortführen, mit der er sich schon intensiv auseinandergesetzt hat. Die Anfänge gehen weit zurück: Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1413 als „Gishübelmühle“ und seitdem von fünf Familien bewirtschaftet. Der Name leitet sich vom althochdeutschen „gussia“ ab, was so viel wie „Wasserschwall“ bedeutet. Nördlich des Mühlgebäudes befand sich einst ein Sägewerk, dessen genauer Nutzungszeitraum heute nicht mehr bekannt ist. Ab 1532 bis 1784 führte die Familie Kern die Mühle, deren Name sich bis heute in der Bezeichnung des Anwesens gehalten hat. Im Laufe der Zeit wurde das traditionelle Mühlrad, vermutlich während der Umwandlung in eine Kunstmühle, durch zwei Turbinen zur Stromerzeugung ersetzt. Diese Turbinen versorgen noch heute einige Wohnparteien, die Event-Scheune und die Wirtschaftsgebäude der Kernmühle mit Energie.

Martin Horneber, Inhaber der Kernmühle in Roßtal (r.), und sein Nachfolger Dr. Karl Kasper (l.).
Gebäude mit Geschichte: In der Event-Scheune sind noch Bestandteile der früheren Mühle zu sehen.

Von der Mühle zur Event-Scheune

Seit 1906 ist die Kernmühle im Besitz der Familie Horneber, die ursprünglich aus dem Raum Dietenhofen stammt. Nach einem Brand 1916 baute Leonhard Horneber die Mühle wieder auf. 1966, zwei Generationen später, stellten Heinz und Johanna Horneber den Mühlbetrieb ein und nutzten das Gebäude ab 1967 für Mietwohnungen. Ihr jüngster Sohn Martin, gelernter Landwirt, übernahm schließlich 1986 mit seiner Frau Jutta die Mühle – der bis heute letzte Generationenwechsel. „Das hat sich schnell rauskristallisiert“, sagt Horneber über die damalige Zeit, zumal seine fünf älteren Geschwister alle weggezogen seien. Er und seine Frau wandelten das Anwesen schließlich in einen Bioland-Bauernhof um.

Ab der Jahrtausendwende gab es erneut eine Umgestaltung: Der Bio-Betrieb hatte bis dahin seine Produkte über einen Hofladen direkt vermarktet, erzählt Horneber. Doch das wachsende Angebot an Bio-Lebensmitteln in Supermärkten habe auch das Kaufverhalten der Kunden geändert. „Wir mussten uns neu aufstellen“, sagt er. „Wenn du etwas nicht ändern kannst, nimm es hin und versuche etwas Neues.“ Deshalb absolvierte er ab 2000 Fortbildungen für Coaching-Beratung. Parallel dazu begann seine Frau Jutta, Workshops anzubieten, sodass die Familie 2004 einen Stall auf dem Anwesen zu einem Seminarhaus mit Event-Küche umfunktionierte. Die Landwirtschaft stellten die Hornebers 2008 komplett ein. Seit 2014 ist die historische Scheune auf dem Hof eine Event-Location.

Schwärmen fürs Anwesen

Nun steht also nach vier Jahrzehnten wieder eine Betriebsübergabe an. Begonnen hatte es damit, dass Karl Kasper Gefallen an dem Anwesen fand: „Ich war zum Urlaub hier und hab geschwärmt von diesem schönen Grundstück“, berichtet er. Kasper, der in der Nähe von Kassel aufwuchs, ist eigentlich promovierter Pflanzenphysiologe. Daneben hat er aber auch Erfahrungen im Event-Management gesammelt, etwa bei der Leitung eines Verkaufsstands auf einem Musikfestival oder bei der Organisation von Musik- und Sportveranstaltungen. Als er schließlich von seinem Schwiegeronkel Martin Horneber erfuhr, dass dieser auf der Suche nach einer Nachfolge sei, hätten er und seine Frau Miriam ihre Euphorie beinahe bremsen müssen. Im weiteren Verlauf fand ein Moderationsprozess mit Hornebers Kindern statt, über den die Nachfolge einvernehmlich festgelegt wurde. Inzwischen haben die Kaspers, die mit ihren drei Kindern zuvor in Göttingen wohnten, ihren Lebensmittelpunkt nach Roßtal verlegt.

Beim Übergabeprozess sehen sich die Familien auf der Zielgeraden: Die Finanzierung und die rechtlichen Angelegenheiten seien geregelt, Gespräche zur Steuer- und Strategieberatung geführt. „Wir sehen: Da vorne ist der Hafen, da fahren wir rein“, erklärt es Martin Horneber in einem Bild. „Es kann zwar noch Stürme geben, aber das Ziel ist klar.“ Sein Nachfolger Karl Kasper freut sich schon darauf, seine zahlreichen Pläne für die kommenden Jahre in die Tat umzusetzen: Er will beispielsweise den Dachboden über der Event-Scheune ausbauen, die bestehende Photovoltaikanlage erweitern, um eine Inselstromlösung zu schaffen, und die zum Anwesen gehörenden Wiesen renaturieren, um die Artenvielfalt zu erhöhen. Außerdem möchte Ehefrau Miriam Kasper im Seminarhaus Veranstaltungen für psychoedukative Gruppen, z. B. zum Thema ADHS im Erwachsenenalter, organisieren und spielt mit dem Gedanken, am Hof eine tiefenpsychologische Praxis zu eröffnen. Karl Kasper sieht darüber hinaus auch vielfältige Möglichkeiten, im betrieblichen Alltag seine Talente einzubringen, etwa im Bereich Rhetorik und Kommunikation. Zudem habe er bereits in seiner früheren beruflichen Tätigkeit Freude daran gehabt, ein Team zu leiten.

Martin Horneber hat indes in den letzten Jahren seine Tätigkeit im Bereich Seminare und Coachings, in denen es um Strategie, Verkaufstrainings und Teambuilding ging, stetig reduziert. Er freut sich, dass der Betrieb in Familienhand weitergeführt und Neues geschaffen wird: „Nutze das, was du vorfindest“, so das Motto, nach dem seine Familie bei der Entwicklung des Anwesens stets gehandelt habe – von der Landwirtschaft über den Bio-Betrieb mit Hofladen zum Seminar- und Event-Ort.

Autor: Johannes Froschmeir

www.kernmuehle.de 

Webcode: N2178