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Universa-Vorstandssprecher Frank Sievert.

Die Nürnberger Versicherungsgruppe Universa stellt sich für die Zukunft neu auf: Bis zum Jahr 2030 will das Traditionsunternehmen einen neuen Stammsitz im Kohlenhof-Areal bauen. Dann wird sie den verwinkelten Gebäudekomplex aus den 1950er Jahren in der Sulzbacher Straße verlassen und in einen modernen Bürokomplex mit innovativen Arbeits- und Raumkonzepten umziehen. Was sie allerdings nicht hinter sich lassen wird, sind die Herausforderungen, vor denen die Branche steht: Kostendruck und Digitalisierung belasten die Kassen der Versicherer, der Geschäftsklimaindex für die Versicherungswirtschaft sank Ende 2025 unter seinem langfristigen Mittelwert.

Vor diesem Hintergrund sind die Aufgaben für den neuen Vorstandssprecher Frank Sievert, Jahrgang 1967, alles andere als klein. Er steht seit vergangenem Jahr für einen Generationswechsel an der Universa-Spitze. Mit nunmehr seit Februar drei weiteren Vorstandskollegen ist das vierköpfige Führungsgremium größer als zuvor und hat erstmals auch eine Frau an Bord (WiM berichtete). „Die Aufgaben werden mehr“, sagt der gelernte Bankkaufmann und Diplom-Ökonom, der die Marschrichtung so zusammenfasst: „Wir wollen unser Wachstum in der Nische erfolgreich fortsetzen.“

Rückenwind hat Sievert von seinem Vorgänger Michael Baulig mitgenommen, der der Universa als ältestem deutschen Krankenversicherer ein kontinuierliches Wachstum bescherte. Die Wurzeln finden sich im Jahr 1843, als der „Krankenunterstützungsverein für Tabakfabrikarbeiter“ aus der Taufe gehoben wurde. Das ist der Vorläufer der heutigen Universa Krankenversicherung a.G., dem Flaggschiff der Gruppe. Das Kürzel a.G. steht für die Rechtsform Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG). Anders bei einer Aktiengesellschaft sind die Versicherten Mitglieder des Versicherungsvereins und damit gleichzeitig seine Eigentümer. Dadurch muss die Unternehmensstrategie auch nicht auf kurzfristige Aktionärsinteressen schielen, sondern kann sich auf Versicherungsschutz und Service für seine Mitglieder fokussieren. Zumal die Gewinne nicht im Zeichen des „Shareholder Value“ ausgeschüttet werden, sondern im Unternehmen verbleiben können. Für Sievert gibt es noch einen weiteren Vorteil: Er habe keine Angst, morgens aufzuwachen und in der Zeitung von der Übernahme der Universa zu lesen.

 

Mitarbeiterin Stefanie Cain aus der Abteilung Anwendungsentwicklung: Die Transformation in die digitale Welt ist für die Universa ein Großprojekt.

Beitragsmilliarde geknackt

In den vergangenen sechs Jahren legten die Beitragseinnahmen der drei Universa-Versicherer Kranken, Leben und Allgemeine kontinuierlich zu und knackten im vergangenen Jahr sogar die Beitragsmilliarde. Der Vorstandschef sieht es mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Denn die neue Marke wurde nicht nur durch organisches Wachstum erreicht, sondern resultiert auch aus Beitragsanpassungen. Immerhin lag das Geschäftsergebnis nach Steuern bis 2024 immer über 100 Mio. Euro. Das stärkt den Spielraum für die anstehenden Aufgaben.

Die betreffen aber nicht nur das eigene Geschäft, sondern auch die Regulatorik. Die EU-Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act) soll in der gesamten Finanzbranche für mehr Cybersicherheit, weniger IT-Risiken und digitale operationale Resilienz sorgen. „Die Richtung stimmt, aber es sind zu viele Dokumentationen“, moniert Sievert die zusätzliche Bürokratie. Nun sind regelmäßig Analysen und Berichte zu erstellen, auch wenn die DORA-Prozesse intern so schlank wie möglich gehalten werden sollen.

Der Nürnberger Versicherer konzentriert sich seit seiner Gründung auf Privatkunden, kleine und mittlere Unternehmen sowie Handel und Handwerk. Flaggschiff der Universa ist die traditionsreiche private Krankenversicherung, die grob drei Viertel des Beitragsgeschäfts ausmacht. Sie will auch für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte eine Alternative bieten. Allerdings gibt es für die gesamte Branche Herausforderungen: „Die Bevölkerung wird einerseits immer älter und öfter krank, andererseits geht der Deutsche an sich häufig zum Arzt.“ Das belastet auch die Krankenversicherung der Universa. Zumal Einreichungen für Arztkosten heutzutage auch schneller beim Versicherer landen, statt früher erst am Jahresende auf einen Schlag. Dafür sorgt die hauseigene Rechnungs-App, mit der Kunden die Belege schnell über das Smartphone hochladen können.

In der kleinsten Sparte Allgemeine Versicherung gilt die Kfz-Police nach wie vor als Türöffner für zusätzliche Versicherungen, „aber längst nicht mehr wie früher“. Sievert hält an der bewährten 
Hauspolitik fest, sich in den Beitragsvergleichen im vorderen Mittelfeld statt unter den allergünstigsten Anbietern zu positionieren. Versicherte, die wegen ein paar Euro den Anbieter wechseln, warnt er vor dem „moment of truth“ im Schadensfall. Dann wolle manch ein Versicherer nicht bezahlen, weil es per Versicherungsklausel ausgeschlossen ist. Bei der Kfz-Police der Universa gab es zwar vor drei Jahren eine „schmerzhafte Beitragsanpassung“, weil bundesweit die Reparaturkosten in die Höhe schnellten. Dafür gebe es im Schadensfall aber keine Diskussion über Kleintierbisse im Motorraum oder ob angesichts einer roten Ampel grobe Fahrlässigkeit vorgelegen habe.

Die Transformation in die digitale Welt ist für Sievert ein Großprojekt: „Wir müssen uns fit für die nächste Dekade machen.“ Das Kundenportal soll weiter ausgebaut werden, Potenzial sieht er bei spielsweise darin, zunächst persönlich zu beraten, den Vertragsabschluss aber dann komplett digital abzuwickeln. Auch das gesamte Beitragswesen, Zustellungen von Policen oder Änderungen könnten im virtuellen Raum sicher und datenschutzkonform erledigt werden. Als privater Krankenversicherer hat die Universa bereits vergleichsweise früh das elektronische Rezept technisch umgesetzt und steht kurz vor der Einführung der Elektronische Patientenakte ePA. „Es geht um Automatisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen, aber auch um die Abwehr von Cyberrisiken.“ 

Künstliche Intelligenz hält Einzug

Auch die Künstliche Intelligenz zieht in das Tagesgeschäft ein: Zu den KI-Projekten gehört beispielsweise eine Zusammenfassung von Risikovoranfragen oder die Ermittlung von Vorleistungen der gesetzlichen Krankenkassen bei Zahnzusatzrechnungen. „KI entlastet unsere Mitarbeitenden und hilft, unsere Services weiter zu verbessern.“ Allerdings weiß Sievert auch, dass sein Haus die hohen IT-Investitionen mittelfristig nicht allein stemmen kann. Über Standard-Software hinaus könnten etwa Kooperationen helfen, um anfallende Kosten aufzuteilen. Denn perspektivisch mache es betriebswirtschaftlich keinen Sinn, in jedem einzelnen Haus das digitale Rad neu zu erfinden.

Zum Jahreswechsel arbeiteten bei der UniversaGruppe 840 Beschäftigte, etwas mehr als im Vorjahr. Davon sind 774 am Nürnberger Stammsitz beschäftigt. Hinzu kommen 58 Nachwuchskräfte in Ausbildung oder einem dualen Studium. Auch hier sei es schon einfacher gewesen, entsprechend geeignete Azubis zu bekommen. Dabei biete das wachsende Unternehmen nicht nur Versicherungsjobs, sondern auch Arbeit in den Abteilungen IT, Rechnungswesen, Marketing, Rechts- und Personalabteilung.

Im vergangenen Jahr stiegen die Beitragseinnahmen um 8,2 Prozent auf eine Mrd. Euro. Unter dem Strich blieben als Ergebnis nach Steuern 89 Mio. Euro übrig. Für 2026 zeigt sich Sievert optimistisch: Man sei gut aufgestellt, hänge aber von der allgemeinen Gemengelage ab. Wenn die Verbraucher sparsamer werden, wirke sich das auch auf das Versicherungsgeschäft aus.  

www.universa.de

Autor: Thomas Tjiang

Webcode: N2093