Viele Wege in die Welt
Strategien für das Auslandsgeschäft: Ein Engagement im Außenhandel muss gut geplant sein. Der IHK-Geschäftsbereich International unterstützt auf vielfältige Weise.
Der Schritt über die Landesgrenzen hinweg ist für viele Unternehmen in Mittelfranken ein wichtiger Baustein zur Ausweitung des Geschäfts. Heute ist er oft eine notwendige Reaktion auf gesättigte Heimatmärkte oder stagnierendes Wachstum im Inland. Doch wer sein Geschäft internationalisieren möchte, steht vor komplexen strategischen Fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Welcher Zielmarkt bietet echtes Potenzial? Und wie lassen sich Risiken und Kosten minimieren? Das Team aus dem Geschäftsbereich International der IHK Nürnberg für Mittelfranken begleitet mit seinem Veranstaltungs- und Beratungsangebot Unternehmen dabei, dieses Grundwissen aufzubauen. Die Expertinnen und Experten der IHK unterstützen insbesondere bei diesen Aspekten des Auslandsgeschäfts:
Info-Veranstaltung
„Einstieg ins internationale Geschäft“ ist der Titel einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 9. Juli 2026 (16 Uhr, im Landratsamt Erlangen-Höchstadt, Nägelsbachstraße 1, Erlangen). Die Außenwirtschaftsexperten des IHK-Geschäftsbereichs International informieren über die optimale Planung des Auslandsgeschäfts und über wichtige Ansprechpartner, die den Mittelstand dabei unterstützen.
Marktpotenziale und Standortwahl: Die Entscheidung für ein bestimmtes Land sollte niemals allein auf vagen Marktchancen basieren. Eine Analyse der Rahmenbedingungen ist unerlässlich. Dabei spielen klassische Faktoren wie die geografische Entfernung und die damit verbundenen Transportwege eine ebenso große Rolle wie die politische Stabilität und die Währungssituation im Zielgebiet. Besonders wichtig sind zudem die rechtlichen Rahmenbedingungen: Technische Normen, spezifische Vorschriften für die Produktkennzeichnung sowie die Einhaltung von Einfuhrbestimmungen entscheiden oft schon im Vorfeld über Erfolg oder Misserfolg. Auch interkulturelle Aspekte – von lokalen Geschäftsgepflogenheiten bis zu regionalen Geschmacksvorlieben – dürfen in der Planung nicht unterschätzt werden.
Wege zum Kunden – Vertriebsstrukturen im Vergleich: Ist der Zielmarkt definiert, stellt sich die Frage nach dem passenden Vertriebsweg. Hier gilt es, zwischen Kosten, Kontrolle und Marktnähe abzuwägen. Ein Importeur ermöglicht zwar einen schnellen und kostengünstigen Einstieg, begrenzt jedoch die Steuerungsmöglichkeiten des Herstellers. Wer eine engere Bindung sucht, wählt oft den Weg über Vertragshändler oder Handelsvertreter, muss dabei aber nationale Besonderheiten im Handelsvertreterrecht berücksichtigen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung gewinnen zudem E-Commerce-Plattformen an Bedeutung, die zwar eine enorme Reichweite bieten, aber auch einen hohen Preisdruck und komplexe rechtliche Anforderungen mit sich bringen. Die Eröffnung einer eigenen Niederlassung bleibt die intensivste Form der Marktpräsenz, erfordert jedoch erhebliche Investitionen und fundierte Kenntnisse im lokalen Steuer- und Gewerberecht.
Kostenkalkulation und strategische Beschaffung: Ein kritischer Punkt jeder Internationalisierung ist die realistische Kalkulation der Exportkosten. Wer Waren in Drittländer außerhalb der EU liefert, muss über den reinen Produktionspreis hinausdenken: Neben Fracht und Spezialverpackungen fallen unter Umständen Gebühren für Zertifizierungen, Qualitätsabnahmen vor Ort sowie länderspezifische Steuern an. Besonders wichtig ist die Wahl der passenden Incoterms, die exakt regeln, wer die Kosten und das Risiko des Transports bis zu welchem Punkt trägt. Auch die Absicherung von Zahlungsausfällen, etwa durch Exportkreditversicherungen oder die Zahlung mittels Dokumentenakkreditiv, gehört in jede seriöse Kalkulation.
internationaler Einkauf: Doch Internationalisierung ist keine Einbahnstraße nur in Richtung Ausfuhr. Vielmehr rückt unter dem Begriff Global Sourcing die weltweite Beschaffung als strategisches Instrument in den Fokus. Ein international aufgestellter Einkauf sichert nicht nur den Zugriff auf kritische Rohstoffe und innovative Vorprodukte, sondern erhöht durch die Verteilung auf verschiedene Beschaffungsmärkte auch die Krisenfestigkeit des Unternehmens.
Networking vor Ort – Wenn die Welt nach Bayern kommt: Mit dem Programm „Bayern – Fit for Partnership“ holt die IHK Nürnberg für Mittelfranken die Weltmärkte direkt in die Region. Internationale Einkäufer und Entscheidungsträger kommen gezielt nach Bayern, um sich von der Leistungsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen vor Ort zu überzeugen. Für mittelfränkische Anbieter ist das die ideale Gelegenheit, ihre Produkte und Innovationen im eigenen Haus zu präsentieren, ohne selbst um die halbe Welt reisen zu müssen. So entstehen aus persönlichen Begegnungen Exportpartnerschaften für die Zukunft. Die nächsten Termine des Programms „Bayern – Fit for Partnership“:
- Medizintechnik Ukraine (Dienstag, 21. Juli, in der IHK Nürnberg, www.ihk-nuernberg.de/V900)
- Medizintechnik Estland, Lettland und Litauen (Dienstag, 13. Oktober, in der IHK Nürnberg, www.ihk-nuernberg.de/V920)
Der Fahrplan ins Auslandsgeschäft
Bevor Sie den ersten Schritt über die Grenze wagen, sollten Sie die folgenden Punkte klären. Diese Liste dient als Orientierungshilfe für die strategische Vorbereitung:
- Marktanalyse: Ist der Zielmarkt hinsichtlich Kaufkraft, Wettbewerb und politischer Stabilität detailliert geprüft?
- Regulatorik und Recht: Sind technische Normen, Verpackungsvorschriften und Einfuhrbestimmungen bekannt? Ist der Eigentumsvorbehalt im Zielland rechtlich durchsetzbar?
- Vertriebsstruktur: Welcher Weg passt zum Produkt? Was passt besser: ein Importeur für den schnellen Einstieg oder die Einrichtung einer eigenen Niederlassung für maximale Kontrolle?
- Kalkulation: Wurden neben den Transportkosten auch Zölle, Zertifizierungen, Versicherungen und Währungsrisiken eingepreist?
- Logistik und Zoll: Wurden die passenden Incoterms für die Risikoverteilung gewählt und sind die notwendigen Ursprungszeugnisse vorhanden?
- Compliance: Erfüllen Ihre Lieferanten die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG)?
- Interkulturelles: Sind Marketing und Vertrieb auf lokale Gepflogenheiten, Sprachen und Geschmacksvorlieben angepasst?
Wer begleitet beim Auslandsgeschäft?
Wichtige Ansprechpartner für kleine und mittlere Unternehmen, die sich im Auslandsgeschäft engagieren möchten:
- IHK-Geschäftsbereich International: Ihr direkter Kontakt für Länderberatung und Zollfragen (www.ihk-nuernberg.de/P102)
- Außenwirtschaftsportal Bayern: zentrale Plattform für Informationen zu Auslandsmärkten, Messen und Förderprogrammen (www.weltweit-erfolgreich.de)
- Germany Trade and Invest (GTAI): aktuelle Marktanalysen, rechtliche Hinweise und weltweite Wirtschaftsdaten (www.gtai.de)
- Auslandshandelskammern (AHK): Das weltweite Netzwerk für die Unterstützung vor Ort – von der Beratung für den Markteinstieg bis zur Suche nach Geschäftspartnern (www.ahk.de)
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Dr. Manuel Hertel
Stv. Leiter Geschäftsbereich International | Asien | Naher Osten | Messen
Webcode: N2071