Wie führt man im KI-Zeitalter?
Personalmanagement: Als Herausforderung für Führungskräfte verändert der Einsatz von Künstlicher Intelligenz das Zusammenspiel der Belegschaft.
Künstliche Intelligenz gilt vielen als Allheil mittel der Zukunft. Andererseits sorgen sich Beschäftigte, dass sie durch die KI ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Und für die Führungskräfte bringt der Einsatz von KI auch neue Herausforderungen mit sich. Das wurde beim We binar „KI verändert Mitarbeiterführung“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) deut lich. Referent Markus Neubauer, Geschäftsführer der Silbury Deutschland GmbH in Fürth, stellte klar: „KI bringt nicht nur Chancen, sondern auch Reibung, Unsicherheit, Identitätsfragen und Führungsdruck.“ Er selbst hatte sein Unternehmen vom Software-Haus zum Beratungshaus für KI Transformation umgebaut. Für Neubauer ist die Hinwendung zur KI in den Unternehmen eine „ab solute Führungsaufgabe“, die sich nicht an eine in terne KI-Abteilung delegieren lasse.
Denn die neuen Möglichkeiten durch die KI stellen die Geschäftsführer vor neue Herausforderungen. Für Neubauer spielt es keine Rolle, ob die Nachrichten vom drohenden Ende des klassischen Büroarbeitsplatzes stimmen oder nicht: „Die Botschaften erreichen die Mitarbeiter, auf diese Ängste müssen Führungskräfte reagieren.“ Dazu gehört beispielsweise die Sorge, dass die bislang geleistete Arbeit durch die Nutzung von KI entwertet wird. Gleichzeitig sieht er in den Beleg schaften ein deutliches Gefälle, was das Wissen und die Erfahrung im Umgang mit den vielfältigen Möglichkeiten der KI angeht.
Wie ist die Arbeitsleistung einzuschätzen?
Ein weiteres Spannungsfeld ist die Veränderung von bislang bewährten Arbeitsprozessen. Bisher galt es, Aufgaben umzusetzen und das Ergebnis weiterzugeben. „Nun lautet die neue Kernkompetenz anleiten, prüfen, entscheiden“, so Neubauer. Selbst die individuelle Leistung muss nun neu bewertet werden. Gerade wenn jemand solide und zuverlässig ohne KI arbeitet, aber ein Kollege mit digitalen Helfern auf einen wesent lich höheren Output kommt, sind neue Kriterien gefragt. Für eine Bewertung müssten nunmehr etwa die Output-Menge an Präsentationen, die Qualität der Ergebnisse, aber auch die persönliche KI-Kompetenz und auch die Veränderungs bereitschaft berücksichtigt werden. Zusätzlich ist noch die weitere Facette Erfahrung zu berücksich tigen, die bisher ein Synonym für breites Fach wissen und Überblick war. Denn nun kann auch ein Berufseinsteiger, der versiert mit KI arbeitet, vergleichbare Ergebnisse liefern. Damit werde die berufliche Identität fundamental in Frage gestellt, worauf eine ehrliche Antwort von der Führung er wartet werde.
KI-Transformation ist Führungsaufgabe
„Die KI-Transformation ist deshalb eine abso lute Führungsaufgabe“, ist sich Neubauer sicher. Allerdings sei es gar nicht so einfach, Orientierung zu geben und eine neue Lernkultur zu implementieren, wenn man sich als Chef noch selbst in die KI-Welt einarbeitet. Deshalb sei es beson ders wichtig, einen Rahmen zu schaffen und zu definieren, welche Unternehmensziele mit der KI erreicht werden sollen. „Führung heißt nicht, alles zu wissen, sondern die richtigen Fragen zu stellen und eine Richtung vorzugeben.“ Gleich zeitig müsse man die Geschwindigkeit bei der KI Einführung definieren. Das Tempo dürfe weder zu hoch noch zu niedrig sein. Neubauer selbst plädiert beim Thema Verweigerung für eine „klare Kante“. Im Idealfall gibt man den Vorreitern Raum, ohne die anderen abzuhängen. Parallel sieht er aber auch die Gefahr, dass Mitarbeiter das kritische Denken einstellen, weil das ja nun ein KI Agent übernehme.
Weitere Führungsaufgaben fasste der Referent unter dem Schlagwort ethische Leitplanken zusammen. Auch wenn die KI vieles leiten kann, müsse die Unternehmensspitze entscheiden, wo die Grenzen liegen. Hinzu kommt die Frage, welche Daten die KI mit Blick auf den Datenschutz verarbeiten darf. Unter der Überschrift Qualitäts kontrolle ist zu klären, wer die Ergebnisse prüft. Und schließlich ist klarzustellen, ab wann auf die Vorbereitungen durch die KI unbedingt eine finale Entscheidung eines Menschen nötig ist. Eine Teilaufgabe ist auch die Frage, wer wann unter schreibt (z. B. einen Entwurf für einen Kunden). Damit sei auch die Frage „Wer haftet, wenn‘s schiefgeht?“ verbunden.
Für Silbury-Chef Neubauer ist die KI-Transformation „kein Projekt mit Enddatum, sondern eine kon tinuierliche Unternehmensentwicklung“. Er ist sich sicher, dass ein erfolgreicher Einsatz von KI die betrieblichen Prozesse effizienter macht und auch manchen Mangel an Fachkräften lindern könnte. Es sei auch nicht die KI, die jemandem den Arbeitsplatz wegnehme. Es sei vielmehr derjenige, der besser mit der neuen Technik umgeht und sich an die damit verbundenen Veränderungen anpasst. An der offensiven Gestaltung durch die Führungsspitze führt aber kein Weg vorbei, so sein Fazit. „Nur so stellen wir sicher, dass uns die Roboter nicht beherrschen.“
Autor: Thomas Tjiang
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