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Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.“ Dieses bekannte Zitat wird mehreren Urhebern zugeschrieben, darunter Mark Twain, Winston Churchill und Niels Bohr. Jedenfalls bringt es auf den Punkt, dass die Zukunft, also die irgendwo vor uns liegende Gegenwart, offen und nicht vorherbestimmt ist. Aber an was sollen sich Unternehmen halten angesichts von weltpolitischen Verwerfungen und Krisen, die in immer engerer Taktung auftreten? Wie können sie überhaupt noch planen und Szenarien für ihr Handeln erarbeiten?

Eine präzise Vorhersage der Zukunft ist natürlich unmöglich und Prognosen liegen meist daneben. Auch wenn dafür Wahrscheinlichkeitsrechnungen eingesetzt werden, oft unterstützt durch KI. Sieht man sich Prognosen an, die vor dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine oder vor der zweiten Wahl Donald Trumps erstellt wurden, sieht man, wie weit sie daneben lagen. Kein Wunder, denn die genannten Ereignisse fehlten verständlicherweise in der Ausgangsbasis dieser Prognosen. Und was für diese großen Ereignisse gilt, gilt auch für die unzähligen kleinen Gamechanger und Disruptionen.

Zukunftsforscher arbeiten deshalb ungerne mit Prognosen, sondern ziehen die Szenario-Methode vor. Wie aber können sie sinnvolle Aussagen über die Zukunft machen? Indem man aus einer Zukunft mehrere macht und daher von Zukünften spricht. Statt einer punktuellen Vorhersage erstellt man mehrere. Ausgangspunkt ist ein Szenario-Trichter, der einen Möglichkeitsraum definiert. Die Trichterform ergibt sich aus dem Zeitstrahl von der Gegenwart in die Zukunft. Nahe an der Gegenwart ist der Möglichkeitsraum sehr klein, je weiter wir in die Zukunft reisen, desto größer wird er. Die Öffnung des Szenario-Trichters legt den Zeithorizont fest, also etwa das Jahr 2050. Nun versucht man, diesen Möglichkeitsraum mit Hilfe alternativer Szenarien zu erfassen und zu beschreiben. Szenarien wiederum sind Modelle möglicher Zukünfte und somit keine Prognosen.

Grundlage für die verschiedenen Szenarien, die sich zwischen Best Case, Base Case und Worst Case bewegen, sind fundierte Studien aller Art, etwa Delphi-Studien (Expertenbefragungen), Wirtschaftsanalysen oder Studien zur Technologieentwicklung. Die Erstellung der Szenarien erfolgt nach methodischen Regeln, die für Transparenz und eine verlässliche Dokumentation sorgen. Das Ergebnis erfasst detailliert den anvisierten Möglichkeitsraum und den ebenfalls zuvor festgelegten Zeithorizont. In der Zukunftsforschung spricht man von Orientierungswissen, das dazu dienen soll, Strategien für eine Zukunftsgestaltung zu entwickeln, ohne in die Fallen einer zerbrechlichen Prognostik zu tappen. Denn die ist unsicherer, als sie oft vorgibt. Gerade weil die Szenarien weitaus weniger konkret sind, sind sie verlässlicher. Sie schaffen einen Raum statt einen Punkt. Somit können Planung und Gestaltung flexibler werden.

Komplettiert wird die Szenario-Studie durch die Berücksichtigung von Wild Cards. Das sind unvorhersehbare Ereignisse mit sehr geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, jedoch gravierenden Folgen. Dazu gehören etwa exorbitante Vulkanausbrüche, Pandemien, bahnbrechende Erfindungen oder Ereignisse wie die 9/11-Attentate. Wild Cards, ebenfalls Gegenstand der Zukunftsforschung, führen zu schnellen, wenn nicht schlagartigen Brüchen im Verlauf einer Entwicklung, die auch Devianzen oder Disruptionen genannt werden. Diese Brüche lassen sich in die verschiedenen Szenarien einbauen. Das ursprüngliche Szenario lässt sich wiederum mit dem neuen, nunmehr modifizierten Wild-Card-Szenario vergleichen, um eine passende Strategie entwickeln zu können. Denn die Szenario-Methode folgt der Devise von Hamlet: „Bereit sein ist alles.“

Autor:  Dr. Bernd Flessner ist Zukunftsforscher am Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Wissenschaftsreflexion (ZiWiS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (www.ziwis.fau.de/faudir/dr-bernd-flessner/).

Information

Szenarien im Auslandsgeschäft

„Szenario-Planung im internationalen Geschäft– strategisches Risikomanagement in Zeiten der Unsicherheit“: Unter diesem Titel steht ein IHK-Seminar am Montag und Dienstag, 9. und 10. November 2026. Der Zukunftsforscher Dr. Bernd Flessner von der Universität Erlangen-Nürnberg erläutert u. a. diese Themen: Bedeutung der Szenario-Forschung in volatilen Märkten und geopolitischen Veränderungen, methodische Grundlagen und Analyseinstrumente, Identifikation von kritischen Einflussfaktoren, Entwicklung plausibler Zukunftsszenarien und Ableitung strategischer Handlungsoptionen.

Anmeldung erforderlich:
www.ihk-nuernberg.de/V993

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